Psychotherapie

Bereits in der Frühzeit waren psychische Störungen bei Menschen bekannt und wurden mit Methoden der damaligen Zeit behandelt. Meist wurden diese Störungen als Besessenheit betrachtet, und die Betroffenen mussten sich bestimmten Ritualen und medizinischen Behandlungen unterziehen. Als Gründer der "modernen" wissenschaftlichen Psychotherapie gilt allerdings der österreichische Arzt und Tiefenpsychologe Sigmund Freud (1856-1939). Seine Erkenntnisse auf dem Gebiet der Psychoanalyse waren und sind Grundlage für die Weiterentwicklung und Ausbreitung der Psychotherapie.
Die Psychotherapie beschäftigt sich mit psychischen, emotionalen und psychosomatischen Erkrankungen und Störungen des Menschen und versucht, mit Hilfe verschiedener Therapiemethoden die seelischen und körperlichen Leiden des Patienten zu behandeln. Psychotherapeutisch praktizieren können Mediziner, Psychologen, Sozialpädagogen und Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche. Hierfür ist allerdings eine besondere Qualifikation erforderlich. Die Psychotherapie bietet einige Möglichkeiten, um gemeinsam mit dem Patienten Störungen zu therapieren.

Psychosomatische Grundversorgung
Damit bei Patienten mit psychischen und psychosomatischen Störungen eine Basisdiagnostik und eine Basisbehandlung durchgeführt werden kann und psychische Erkrankungen rechtzeitig festgestellt werden können, besteht für Ärzte aller Fachrichtungen die Möglichkeit, an einer Fortbildung im Bereich der "Psychosomatischen Grundversorgung" teilzunehmen. Schwerpunkte sind das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten und intensive Gespräche mit umfassender Krankengeschichte (Anamnese). Der Patient soll in den Prozess der Psychotherapie mit einbezogen werden, Eigenverantwortung übernehmen und motiviert werden, mitzuarbeiten.

Einzel- und Gruppentherapie
Für Erwachsene, Kinder und Jugendliche stehen verschiedene Therapieformen zur Verfügung, die individuell als Einzeltherapie oder als Gruppentherapie durchgeführt werden können. Bei der Gruppentherapie kann die Personenzahl zwischen vier und 10 Teilnehmern liegen. Die Gruppe dient als soziales Umfeld, in dem jeder Teilnehmer sein verändertes Verhalten einüben kann.

Aktive Mitarbeit ist wichtig
Die Psychotherapie hilft bei der Verarbeitung schlimmer Erfahrungen, bei Zwängen und psychosomatischen Erkrankungen, bei Ängsten und Panikattacken. Auch Essstörungen, Depressionen, Phobien und Suchtverhalten können erfolgreich therapiert werden. Allerdings ist bei allen Therapien wichtig, dass der Patient in der Lage ist, die psychotherapeutischen Maßnahmen anzunehmen, und für sich positiv umzusetzen. Nur dann ist eine erfolgreiche Behandlung möglich.

Die professionelle Hilfe von Psychotherapeuten sollte in Anspruch genommen werden wenn seelische Nöte vorliegen, die allein nicht mehr zu bewältigen sind. Oft sind Betroffene gehemmt, haben Angst, schämen sich und fürchten die Reaktionen von Familie und Freunden. Doch wenn die Alltagsbewältigung ein Problem ist, wenn das Leben von Ängsten bestimmt wird, sich Todesgedanken und Selbstmordabsichten entwickeln, wenn Alkohol- oder Drogenprobleme vorliegen oder aber bereits seit mehreren Wochen eine depressive Stimmung und Niedergeschlagenheit besteht, sollte unbedingt ein Facharzt aufgesucht werden. Viele schwerwiegende Erkrankungen haben ihren Ursprung in psychosomatischen Auffälligkeiten und müssen aufgearbeitet werden, um wieder unbeschwert und aktiv am Leben teilnehmen zu können.